Harnwegsinfektionen vorbeugen: Frauen mit MS gezielt unterstützen
Das Vorbeugen von Harnwegsinfekten bei Frauen mit MS ist besonders wichtig, um ihre Lebensqualität und ihre Blasengesundheit langfristig zu erhalten. In diesem Artikel erfährst Du, welche Faktoren Blasenprobleme bei Frauen mit MS begünstigen und wie gezielte Maßnahmen Deine Blasengesundheit unterstützen und Infektionen verhindern können.
Warum treten Harnwegsinfektionen bei Frauen mit Multipler Sklerose häufiger auf?
Harnwegsinfekte bei Frauen mit Multipler Sklerose treten vermehrt aufgrund einer neurogenen Fehlfunktion des unteren Harntrakts (Harnblase, Harnröhre und Beckenboden) auf. Eine Fehlfunktion des unteren Harntrakts bei MS bedeutet, dass die Kommunikation zwischen Deinem Gehirn, der Harnblase, der Harnröhre sowie Deinem Beckenboden gestört ist. Eine Überaktivität oder Unteraktivität der Harnblase oder ein Beckenboden, der sich nicht zur richtigen Zeit entspannen kann, können Dein Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen. Gestörte Nervenreizleitungen können sowohl zu gestörter Blasenentleerung als auch zu ungewolltem Harnverlust führen.
Auch die durch MS bedingte eingeschränkte Mobilität und Fehlkoordination des Beckenbodens können dazu führen, dass es für Dich schwieriger wird, Deine Blase regelmäßig und vollständig zu entleeren, was Dein Infektionsrisiko weiter erhöht. Zudem bist Du als Frau aufgrund Deiner kürzeren Harnröhre und ihrer anatomischen Nähe zum Anus – dies erleichtert es Bakterien, in Deine Harnröhre einzudringen – stärker für Harnwegsinfekte gefährdet als Männer. Außerdem können bei Dir hormonelle Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren, die Schleimhaut des Urogenitaltrakts austrocknen, wodurch Deine natürliche Schutzbarriere weiter geschwächt wird.
Das Zusammenspiel dieser Faktoren erklärt, warum Du als Frau mit MS häufiger mit Blaseninfektionen kämpfen musst und warum es für Dich besonders schwierig ist, Blasenentzündungen vorzubeugen.
Blasenprobleme bei Frauen mit MS: Häufige Symptome von Harnwegsinfekten.
Die Symptome von Harnwegsinfekten bei Frauen mit Multipler Sklerose können aufgrund der Nervenstörungen untypisch verlaufen. Klassische Anzeichen wie Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Schmerzen im Unterbauch sind möglicherweise aufgrund Deiner veränderten Schmerzwahrnehmung weniger stark ausgeprägt oder treten gar nicht auf. Stattdessen kann es zu einer Verschlechterung Deiner allgemeinen MS-Symptome kommen.
Frauen mit MS und einer Blaseninfektion berichten häufig von vermehrter Müdigkeit, erhöhter Muskelspastik oder einer Zunahme der Inkontinenz. Auch ein veränderter Urinfluss oder trüber, übelriechender Urin können bei Dir auf eine Infektion hinweisen. Da Schmerzen aufgrund sensorischer Störungen von Dir anders wahrgenommen werden als sonst, ist es wichtig, bei einer plötzlichen Verschlechterung Deiner MS-Symptome Deinen Urin ärztlich untersuchen zu lassen, um eine Harnwegsinfektion frühzeitig zu erkennen.
Tipps für Frauen zur Vermeidung von Harnwegsinfektionen bei MS
Um Harnwegsinfekte bei Frauen mit Multipler Sklerose zu verhindern, sollten folgende Maßnahmen berücksichtigt werden:
- Sorgfältige Hygiene: Der Genitalbereich sollte sauber und trocken gehalten werden. Abspülen des Intimbereichs mit Wasser oder Reinigen mit einer schleimhautneutralen Waschlösung sind hier ausreichend. Häufiges Waschen mit Wasser und Seife kann die gesunde Schleimhaut schwächen. Die Wischrichtung nach dem Entleeren der Blase oder Deines Darms sollte immer von vorne nach hinten, Richtung After erfolgen.
- Flüssigkeitszufuhr erhöhen: Trinke mindestens 1,5 – 2 Liter pro Tag, um den gesamten Harntrakt zu spülen und den Blasenmuskel dehnbar zu halten. Koffeinhaltige Getränke können Deine Harnblase zusätzlich reizen, alkoholhaltige Getränke erhöhen die Harnausscheidung und können sich negativ auf Dein Gesamtbefinden auswirken.
- Regelmäßige und vollständige Blasenentleerung: Um das Risiko von Restharn zu minimieren, solltest Du darauf achten, Deine Blase vollständig zu entleeren. Techniken zur Entspannung und gezielte Übungen können Dich dabei unterstützen. Falls erforderlich, kann bei Frauen, die mit MS leben, auch eine Katheterisierung sinnvoll sein, um Harnwegsinfekte zu reduzieren und eine Blasenentzündung zu vermeiden.
- Katheterisierung und Hygiene: Sollte bei Dir eine Katheterisierung notwendig sein, achte auf eine hygienische Handhabung. Berührungsfreie Katheter oder die Verwendung von Einmalkathetern können das Infektionsrisiko zusätzlich reduzieren.
- Beckenbodentraining: Dein Beckenboden spielt eine wichtige Rolle bei der Blasenkontrolle. Regelmäßige, einfache Übungen können Deine Muskulatur stärken und so die Blasenfunktion verbessern: So kann das gezielte Anspannen und Entspannen Deiner Beckenbodenmuskulatur dabei helfen, Deine Blase vollständig zu entleeren oder unfreiwilliges Wasserlassen zu vermeiden.
- Ernährung anpassen: Bestimmte Lebensmittel wie Cranberrysaft und Probiotika können Dein Blasenmilieu positiv beeinflussen und Infektionen vorbeugen. Eine ballaststoffreiche Ernährung hilft Dir zudem, eine Verstopfung zu vermeiden, die den Druck auf Deine Blase weiter erhöhen kann.
Fazit:
Frauen mit MS haben aufgrund ihrer neurologischen und anatomischen Besonderheiten ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte. Durch eine Kombination aus guter Hygiene, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, regelmäßiger und vollständiger Blasenentleerung und eventuell prophylaktischen Maßnahmen zur Blasengesundheit kannst Du das Risiko jedoch stark reduzieren. Bei wiederkehrenden Infektionen oder Unsicherheiten ist es ratsam, Deinen Arzt aufzusuchen und präventiv tätig zu werden, um Deine Blasengesundheit langfristig zu erhalten.