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Behandlungsmöglichkeiten für Blasenprobleme bei Multipler Sklerose

Blasenfunktionsstörungen bei Multipler Sklerose (MS) können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Symptome wie eine überaktive Blase, genauer gesagt ein überaktiver Detrusor, Blasenentleerungsstörungen und Inkontinenz treten häufig auf und erfordern eine gezielte Behandlung, um Deine Lebensqualität zu verbessern. Eine mögliche Methode in der Behandlung von Blasenproblemen bei MS ist der Intermittierende Selbstkatheterismus (ISK). Hier erfährst Du alles Wichtige über den ISK sowie über weitere Behandlungsmöglichkeiten, die Dir helfen können, Blasenfunktionsstörungen bei MS gezielt zu lindern.

eine Frau steht mit in Freude erhobenen Armen in hohem Gras

Intermittierender Selbstkatheterismus bei MS

Bei MS-PatientInnen kann der Intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) eine wirksame Methode zur Unterstützung der Blasenkontrolle sein. Der ISK hilft dabei, Deine Blase regelmäßig und vollständig zu entleeren, sodass sich kein Restharn ansammelt, der Infektionen verursachen könnte. Du kannst den ISK selbstständig durchführen, im Idealfall vier- bis sechsmal am Tag, um sicherzustellen, dass Deine Blase vollständig entleert ist und keine Überdehnung entsteht.

Dein Arzt/Deine Ärztin (z. B. UrologIn) kann Dir den ISK verordnen und eine pflegerische Fachkraft kann dir den richtigen Umgang mit dem Katheter zeigen und bei der Wahl eines geeigneten Modells helfen.

Diese Kriterien sollte ein Katheter erfüllen:

  • Biokompatibel (verursacht keine allergischen Reaktionen) 
  • Flexibel, um sich der Harnröhre und ihrem Verlauf anzupassen
  • Die richtige Steifheit mit einer gleitfähigen Oberfläche, um ihn leicht einzuführen und zu entfernen
  • Einfach verwendbar 
  • Gebrauchsfertig ohne weitere Hilfsmittel
  • Berührungsfrei zur potenziellen Reduzierung des Infektionsrisikos (d. h. Du kannst den Katheter problemlos aus der Verpackung entnehmen und ihn direkt einführen, ohne ihn berühren zu müssen)

Andere Behandlungsmöglichkeiten für Blasenprobleme bei MS

Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist entscheidend, um die passende Therapie einzuleiten. Ärzte nutzen dafür verschiedene Verfahren:

  1. Anamnese und ärztliche Untersuchung: Im ersten Schritt wird die Krankengeschichte des Patienten erfasst, um die Art und Häufigkeit der Blasenprobleme zu verstehen.
  2. Urodynamische Tests: Diese Tests helfen, die Funktion der Blase und der Harnwege zu beurteilen. Sie liefern wichtige Informationen über Füllungs- und Entleerungsprozesse.
  1. Ultraschall und Blasenspiegelung: Mit diesen bildgebenden Verfahren lassen sich mögliche Ursachen wie Restharn oder strukturelle Anomalien identifizieren.


Durch diese Methoden können Ärzte eine genaue Diagnose stellen und Deine Behandlung individuell anpassen.

Behandlungsmöglichkeiten: So gewinnst Du die Kontrolle zurück

Neben dem ISK gibt es alternative Behandlungsmethoden, die Blasenfunktionsstörungen bei MS gezielt lindern und zu Deiner Blasengesundheit beitragen können. Diese Methoden umfassen in der Regel medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieformen sowie in besonderen Fällen chirurgische Eingriffe.

Medikamentöse Therapie

Bei Schwierigkeiten, die Blase vollständig zu entleeren, kann Dir Dein Arzt/Deine Ärztin bestimmte Medikamente verschreiben, die das Blasenvolumen reduzieren und Dir die Entleerung erleichtern können.

  1. Antimuskarinika: Diese Medikamente sind oft hilfreich bei der Behandlung einer überaktiven Blase, genauer gesagt bei einem überaktiven Blasenmuskel (Detrusor). Sie wirken entspannend auf die Blasenmuskulatur, was das Gefühl von ständigem Harndrang oder Dranginkontinenz verringern kann. Antimuskarinika können Dir helfen, den Harndrang besser zu kontrollieren und Inkontinenz vorzubeugen.
  2. Alpha-Blocker: Alpha-Blocker entspannen die Blasenhalsmuskulatur und können bei bestimmten Formen der Blasenentleerungsstörung bei MS eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Ansätze

Neben Medikamenten gibt es verschiedene nicht-medikamentösen Optionen, die gezielt das Blasenmanagement bei MS fördern können. Diese Ansätze bieten Dir eine zusätzliche Unterstützung, um Deine Blasenkontrolle zu stärken und die Symptome im Alltag besser in den Griff zu bekommen

  1. Blasentraining mit geplanter Trinkmenge und Blasenentleerung: Ein strukturiertes Blasentraining kann Dir helfen, die Häufigkeit des Wasserlassens zu regulieren und Deine Blase zu trainieren. Auch vermehrtes Trinken hilft, die Blase durch Dehnung zu trainieren, sodass Du Deinen Harndrang besser kontrollieren kannst. Durch das Einhalten eines Zeitplans und die Steigerung der Trinkmenge wird die Blase gedehnt, aber auch regelmäßig entleert. So kann das Risiko einer Infektion minimiert, ein frühzeitiger Harndrang vermieden oder einer möglichen Überdehnung der Harnblase entgegengewirkt werden.
  2. Beckenbodenübungen und Physiotherapie: Ein gezieltes Training Deines Beckenbodens kann die Blasenkontrolle verbessern und Dir dabei helfen, das Risiko einer Inkontinenz zu verringern. Dein Arzt/Deine Ärztin kann dir Beckenbodentraining verordnen und oder Dein Physiotherapeut/Deine Physiotherapeutin kann Dir einfache Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur zeigen, welche bei regelmäßigem Durchführen helfen können, Deine Blasenfunktion wieder zu verbessern.

 

Chirurgische Optionen

In Fällen, in denen konservative Methoden und Medikamente keine ausreichende Wirkung zeigen, kann ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. Besprich mit Deinem Arzt/Deiner Ärztin, ob eine Operation für Dich infrage kommt und welche Möglichkeiten bestehen.

  1. Blasenschrittmacher: Ein Schrittmacher kann eingesetzt werden, um die Nerven, die Deine Blase kontrollieren, zu stimulieren. Dies kann helfen, eine überaktive Harnblase zu beruhigen und so eine bessere Blasenwahrnehmung, -kontrolle und -entleerung ermöglichen.
  2. Andere Operationen: Bei manchen PatientInnen kann eine operative Vergrößerung der Harnblase durch Nutzung von Dünndarm sinnvoll sein, um die Blasenkapazität zu verbessern. Auch die Anlage eines Urostomas kann bei sehr ausgeprägter Drangsymptomatik, Inkontinenz, Gefährdung der Nierengesundheit oder Verlust der Lebensqualität aufgrund massiver Blasenprobleme möglich sein.
  3. Botox-Injektionen: Auch Botox-Injektionen in die Blasenwand können bei einer überaktiven Blase angewendet werden, um Missempfindungen und überschießende Muskelkontraktionen zu reduzieren.

 

Dein Arzt/Deine Ärztin wird die Möglichkeiten prüfen und gemeinsam mit Dir die beste Entscheidung treffen.

Individuelle Lösungen für mehr Blasenkontrolle bei MS

Für Menschen mit MS ist es entscheidend, die richtige Behandlungsmethode für ihre Blasenfunktionsstörung zu finden. Ob Intermittierender Selbstkatheterismus (ISK), Medikamente, Übungen oder eine Operation – alle Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Kontrolle über Deine Blase zu verbessern und das Risiko von Komplikationen zu verringern. Sprich offen mit Deinem Arzt/Deiner Ärztin über Deine Blasenprobleme und lass Dich individuell beraten, um die Therapie zu finden, die für Dich am besten geeignet ist.